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Stress entsteht nicht nur durch Arbeit, sondern durch Arbeitsverhältnisse

23.07.2013 - Deutschland ist gestresst. Nicht nur das Arbeitspensum, ständige Erreichbarkeit und Überstunden sorgen für Stress sondern vor allem die Verhältnisse, unter denen Berufstätige arbeiten. Dies zeigt der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK).

Lebenssituation der Beschäftigten wird zur Belastung

Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen sowie Leiharbeiter leiden besonders stark unter psychischen Belastungen. Ebenso betroffen sind auch Arbeitnehmer, die mit Familie und Beruf mehrere Rollen gleichzeitig erfüllen müssen. Psychisch bedingte Fehlzeiten haben seit 2006 um rund 75 Prozent zugenommen. "Es wird derzeit viel diskutiert, wie sich die hektische Arbeitswelt weniger stressig gestalten lässt. Es gibt sogar Initiativen, die dies staatlich regulieren möchten. Unser Bericht zeigt aber, dass es vor allem die Lebenssituation der Beschäftigten ist, die sie belastet. Sind Arbeitsverhältnisse befristet oder ist die finanzielle Situation aufgrund von Teilzeit oder Leiharbeit angespannt, belastet das die Betroffenen", weiß Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

Männer in Teilzeit anfälliger für psychische Erkrankungen

Rund 40 Prozent der berufstätigen Frauen und nur 7,4 Prozent der Männer arbeiten in Teilzeit. Teilzeitbeschäftigte Männer sind allerdings deutlich häufiger von psychischen Diagnosen betroffen als Vollzeitbeschäftigte, sagt Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG). "Die Vermutung liegt nahe, dass die erhöhte psychische Belastung bei Männern in Teilzeit, in befristeten oder Leiharbeitsverhältnissen daher rührt, dass Männer traditionell noch als Haupternährer der Familie fungieren, was aber unter den genannten Beschäftigungsformen oft schwierig ist. Viele Beschäftigte arbeiten nicht freiwillig in Teilzeit, sondern weil ihnen nicht mehr angeboten wird oder weil sie eine höhere Arbeitszeit nicht mit ihren familiären Verpflichtungen vereinbaren können", erläutert Heiko Schulz, Psychologe bei der TK die Ergebnisse.

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist wirtschaftlich sinnvoll

Prävention seelischer Belastungen ist entscheidend auch für den Wettbewerbsfaktor. Es müssen feste Rahmenbedingungen für eine flexiblere Arbeitsorganisation geschaffen werden. Beschäftigte benötigen eine wertschätzende Führung, eine existenzsichernde Perspektive und die Möglichkeit, Beruf, Kinderbetreuung und Pflege zu vereinbaren. Auf diese Weise entstehe auch weniger Druck.

Eine Investition in Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) rechnet sich laut TK auch für die Unternehmen. Die Depression steht unter den Fehlzeitenursachen auf Platz eins. Eine Krankschreibung aufgrund dieser Diagnose dauert im Durchschnitt 58 Tage. "In einem Unternehmen mit 350 Beschäftigten fehlen jährlich fünf Mitarbeiter unter dieser Diagnose. Lohnfortzahlung und Produktivitätsausfall kosten das Unternehmen allein für diese Diagnose etwa 75.000 Euro. In die Gesundheit von Beschäftigten zu investieren, ist also keine Nettigkeit, sondern wirtschaftlich sinnvoll", folgert Baas.

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