Subtropische, palmengesäumte , weiße Strände, endlose, faszinierende Savannen mit Gnu-, Zebra-, Büffel- und Elefantenherden, Löwen, Antilopen, Flußpferden. Freundlich strahlende schwarze Menschen in farbenfrohen Gewändern, wie in den Filmen "Jenseits von Afrika" oder "Die weiße Massai"............
Reisekataloge, Reiseführer und Fotos meines Mannes aus den 80zigern werden studiert. Für die Kinder müssen noch Reisepässe beantragt werden. Impfungen sind nicht zwingend, werden jedoch empfohlen. Die Malariaprophylaxe wollen wir machen.
Endlich geht`s los, in nur 8,5 Flugstunden landen wir in Mombasa und sind für uns Europäer in einem doch so fremden Land. Die schnelle Einreise und der zügige Transfer zum Hotel verblüffen uns, denn eigentlich heißt es in Kenya "pole, pole", zu Deutsch "langsam, langsam". Unterwegs zum Hotel fällt vor allem unseren Kindern die Armut der Leute auf, die wir am Straßenrand sehen. Auch, dass die Menschen zu Fuß laufen. Nur wenige besitzen ein Fahrrad, geschweige denn ein Auto. Üblich sind auch "Matatus", Kleinbusse, die Personen für umgerechnet 40 bis 100 €-Cents befördern.
Unser schnuckeliges Hotel "Bahari Beach" liegt nur eine knappe Stunde Transferzeit vom Flughafen in einem Villenvorort Mombasas. Frau Schwerring, die deutsche Managerin, hat Zimmer mit Verbindungstür und direktem Meerblick für uns reserviert. Ein unbeschreiblicher Blick über das hellblau-, türkis-, dunkelblau schimmernde Meer, sich im Wind wiegenden Palmen, der schneeweiße Strand, dazu der blaue Himmel, die warme Sonne....... ja, genauso hatten wir es uns erträumt. Nach dem Frühstück erkunden wir unsere Hotelanlage. Um den Pool herum spenden viele hohe Palmen Schatten. Liegen sind reichlich vorhanden, Boys sorgen für Auflagen und Badetücher, das Gartenpersonal bereitet uns auf Wunsch eine frische Kokosnuss zu. Zum Meer hin, eine Etage tiefer, wieder mit Palmen und vielen Blumen bepflanzt, stehen weitere Liegen und auch Hängematten zur Verfügung. Neben einer All-inklusive-Bar am Pool können die Gäste in einer überhalb des Meeres gelegenen mit weichem Sandboden ausgestatteten Pizzeria, alternativ zum Restaurant, ihr Mittag- oder Abendessen einnehmen. In der Anlage gibt es einen PADI-Tauchclub. In nur 5 Tagen können wir einen international anerkannten Tauchschein ab € 215,-- oder in einem Tag einen Surfschein für € 55,-- erwerben.
Wir fühlen uns in dem liebevoll gestalteten Bahari Beach Hotel (übersetzt Paradies-Strand-Hotel) alle sehr wohl. Die sehr freundlichen, höflichen, engagierten Angestellten, die eine familiäre Atmosphäre ausstrahlen, werden während unseres Aufenthaltes zu Freunden.
Diese Freundlichkeit und Höflichkeit erfahren wir auch außerhalb unserer Hotelanlage. Der Kenianer lebt nach der Devise "Hakuna Matata", was soviel heißt wie "kein Problem", "keine Sorge". Dies täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass Kenya ein Entwicklungsland ist. Unser Eindruck ist jedoch, dass jeder Kenianer irgendwie versucht, das Beste daraus zu machen. Die Schulbildung hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Kenia erhofft sich durch den Tourismus wirtschaftliches Wachstum. Das Land versucht die Infrastruktur zu verbessern. Mit mäßigem Erfolg, wie ich meine. Im Bereich Umwelt- und Naturschutz wird viel Geld investiert. Die Menschen suchen den Dialog mit uns. Viele sprechen ein passables Englisch und sind sehr stolz auf ihr Kenia.
Einen Teil dieses schönen Landes dürfen wir auf unserer in Deutschland gebuchten "Explorer-Safari" kennen lernen. Unser Abenteuer beginnt gleich in Mombasa. Die ersten Kilometer des Transafrica-Highways sind noch nicht erneuert. Die holprige Straße teilen wir mit hunderten von LKW`s, die ganz Ost- und Zentralafrika mit Gütern versorgen. Überall winken uns die Menschen zu. Wir fühlen uns wie die Queen und grüßen gerne zurück. Schon bald verlassen wir den feuchtgrünen, tropischen Teil an der Küste. Überall stehen kahle Bäume. Peter, unser Fahrer erklärt, dass diese Bäume nur 3 bis 4 Monate im Jahr Blätter tragen. Die neue Straße liegt vor uns und nach weiteren 150 km erreichen wir den Nationalpark Tsavo West.
In Tsavo West dominiert offenes Buschland, durchsetzt von bewaldeten Bergen, bewachsenen Flußufern und alten Lavaströmen, auf denen sich erst allmählich Vegetation ansiedelt.
Die Kinder entdecken als erstes die "Dig-Digs", kleine Zwergantilopen, die durch trockenes Grasgestrüpp huschen. Dann tauchen die ersten Impalas auf und zu unserer Freude kreuzt eine kleine Zebragruppe unseren Weg. Unsere Mitreisenden aus Polen zeigen in eine bestimmte Richtung - tatsächlich, eine riesige Elefantenkuh und deren zwei Kinder verspeisen genüsslich trockene Äste eines Baumes. Zu unserer Freude staksen mehrere Massaigiraffen in 100 Metern Entfernung an uns vorbei. Herrlich, wir versuchen natürlich alles im Bild festzuhalten.
Spätnachmittags unternehmen wir mit offener Dachluke des Safaribusses eine längere Pirsch und entdecken Warzenschweine, Büffel, Antilopen und natürlich unsere geliebten Giraffen und Zebras. Den Höhepunkt bildet der Sonnenuntergang am Kilimanjaro. Mit Sekt und kleinen Häppchen schweift unser Blick auf die weite Savannenlandschaft. Langsam versinkt die Sonne hinter dem größten Berg Afrikas....... gerne würden wir noch verweilen, doch es wird rasch dunkel und so fahren wir zurück ins Camp. Für diese Nacht beziehen wir ein sehr luxuriöses Zelt. Die Rancher weisen uns darauf hin, nachts die Wege nur in Begleitung der bewaffneten Askaris (Wächter) zu benutzen. Ein bisschen mulmig ist uns schon, zumal wir während der Nacht alle möglichen Tiergeräusche hören. Am nächsten Morgen erklären uns zwei Einheimische während eines Spazierganges durch den Busch anhand des Kots, welche Tiere nachts da waren: Nilpferde, Zebras, Giraffen und mehr. Ferner erfahren wir, dass Frauen aus wild wachsender Buschbaumwolle Stoffe weben, dass es Kräuter gibt, die wie gelbes Unkraut aussehen, aber nach Pfefferminze riechen und bei Erkältungskrankheiten eingesetzt werden, dass der Kot der Tiere sich super dafür eignet mit dem selbst gemachten Buschfeuerzeug ein Feuer zu entfachen. Ungern trennen wir uns von unserer Severin Safari Camp und den netten Menschen hier, aber wir möchten so gerne den König des Tierreichs sehen - und der soll im Amboseli Park zu beobachten sein.
Doch bevor wir zum Amboseli Park fahren, besuchen wir die wohl schönste Landschaftsszenerie im gesamten Tsavo West Nationalpark, die Mzima Springs. Sie bilden eine Oase inmitten der trockenen Landschaft. Gespeist werden die Quellen durch unterirdische Flußläufe und vom Schmelzwasser des Kilimanjaros. Wir dürfen auf angelegten Wegen die Gegend in bewaffneter Begleitung erkunden. Im See tummeln sich die Flußpferde und zahlreiche Fische. Krokodile liegen faul am Uferrand. Unser Führer erklärt uns den "Fevertree", einen Baum, dessen Blätter die Malariaerkrankung heilt, oder den Zahnputzbaum, dessen Ästchen für die Zahnpflege genutzt werden. Die Affen und das Vogelgezwitscher lenken uns immer wieder vom Zuhören ab.
Die Fahrt zum Amboselipark führt uns an schwarzer Lavaasche vorbei, die von einem Vulkanausbruch von vor über 400 Jahren stammt. Dann reisen wir durch Massaigebiet. Links und rechts der Sandpiste liegen die von Gestrüpp eingezäunten Krals. Immer wieder kreuzen Viehherden mit Hirtenjungen unseren Weg. Frauen waschen die Wäsche im Fluß. Unser Safaribus kämpft sich durch rote, sandige Erde, die Straße ist sehr zerklüftet, wir werden hin und her geschaukelt, bleiben aber nicht stecken. Schon bald erreichen wir den Amboseli-Park. Er verdankt seinen "Ruhm" vor allem dem Tierreichtum und seiner malerischen Lage unterhalb des Kilimanjaros.
Wir erreichen unsere wunderschöne Lodge "Ol Tukai". Unsere Bungalowzimmer haben direkten Elefanten- Zebra- Gnu- und Büffelblick! Sogar vom Pool aus sind die Tiere zu beobachten. Bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen von 26 ° C genießen wir diese einmalige Kulisse. Während der Spätnachmittagspirsch haben wir das Glück den König der Tiere zu sehen, d.h. die Königinnen, denn die Löwinnen machen sich auf die Jagd. Zu dritt verteilen sie sich und dann greifen sie ganz plötzlich und blitzschnell an. Die fliehende Büffelherde wirbelt Unmengen von Staub auf, doch für einen jungen Büffel ist es zu spät........
Die Wildbeobachtungen der riesigen Elefantenkolosse sind friedlicher. Die großen Sumpflandschaften im Park bieten den Herden reichlich Nahrung und so ist die Population bereits auf über 1000 Dickhäuter angewachsen. Zahlreiche Vogelarten bevölkern den Amboselipark und die abertausenden von Gnus- und Antilopen- und Zebraherden vermitteln uns den Eindruck der riesigen Tierwanderungen Afrikas.
Leider müssen wir Abschied nehmen und über den Tsavo East Park zurück zur Küste fahren. Gerne würden wir noch weitere Nationalparks bereisen und weitere außergewöhnliche Landschaften mit ihren großen und kleinen Tieren kennen lernen.
Von unserem Hotel an der Nordküste unternehmen wir noch kleinere Ausflüge, sowohl an Land als auch auf dem Meer. Wir besuchen mit einem Kenianer dessen Schule in einem
doch ärmlichen Viertel. Schulbänke und Tische fehlen, es gibt keine Toilette. Glücklicherweise konnte kürzlich das Dach erneuert werden. Kinder begleiten uns bei unserem Rund-
gang durch das Dorf. Jede/r will mal unsere Hand halten. Sie singen für uns: "Jambo, Jambo, Bwana". Unser kenianischer Freund berichtet über die vielen Probleme in dem
"Village", zeigt uns aber auch Lösungsansätze auf. Er stellt uns die Bürgermeisterin vor, eine ca. 60-jährige Frau, die hohes Ansehen genießt, da sie u.a. auch die Korruption in den Griff bekommen hat. Wir geben etwas Geld für Schulbänke.
Vom Hotel Bahari Beach wird eine kleine Bootsfahrt mit einem selbst gebauten Katamaran angeboten und wir fahren mit dem Glasbodenboot zum Riff, um auch die artenreiche Unterwasserwelt zu bestaunen. Der Eintritt in den Meeresnationalpark kostet z.Z. € 10,--. Wir kaufen mehr Souvenirs ein, als wir uns vorgenommen hatten, die Tochter läßt sich eine afrikanische Frisur flechten und eigentlich möchten wir gerne länger bleiben, um die warme Sonne, den weichen, weißen Sandstrand und das klare Meer zu genießen. Aber der Beruf und die Schule, sowie der gebuchte Rückflug zwingen die Familie zum Heimflug. Einigen Angestellten übergeben wir kleinere Geschenke, wie T-Shirts, Turnschuhe, Stifte, Spielzeug und Taschenmesser. Ihr Dank berührt uns sehr und wir bestätigen, dass man sich im Leben meistens zweimal begegnet.
Die Farben, die Düfte, die Wärme und den Klang Afrikas nehmen wir mit nach Hause. Das ostafrikanische Land mit seinen lebensfrohen Menschen, seiner üppigen Natur
und seiner reichen Tierwelt hat auch bei unseren Kindern ein tiefen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir werden wiederkommen. Jambo Kenya!!!!
Beate Grötsch